Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland e.V.®  
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... denn er fühlt wie Du den Schmerz

 

Der Fall „Bremer Blockland“

Vom „Leuchtturmprojekt“ der Jagdverbände zum Bumerang 

(eine Ausarbeitung vom Aktionsbündnis Fuchs: www.aktionsbuendnis-fuchs.de)

Im Bremer Blockland wurden vom BUND e.V. ab 2007 erste Gespräche mit den Landwirten vor Ort geführt, um für die Limikolen bessere Bedingungen zu schaffen. Es wurde beim BUND e.V.  ein Team aus Fachleuten gebildet, die Pläne erarbeiteten, um den Schutz wirkungsvoll umsetzen zu können Das zog sich natürlich erst einmal über viele Jahre hin und um 2013 hatte man fast alle Landwirte zur Mitarbeit überreden können und hatte einen vollständigen Plan erarbeitet, der die Bestände sichern sollte. Da unter den dortigen Landwirten natürlich viele Hobbyjäger sind, trat plötzlich der Bremer Landesjagdverband auf das Spielfeld und übernahm in dem Gebiet die Raubwildvernichtung quasi eigenmächtig. Und die Jägerschaft schreibt sich nun auf die Fahnen, damit die Limikolen gerettet zu haben ...




In den letzten Monaten haben Jagdverbände immer wieder ein Wiesenvogelschutzprojekt im Bremer Blockland zur Rechtfertigung der Fuchsjagd herangezogen. Während Naturschutzverbände dort für die Verbesserung der Lebensbedingungen bodenbrütender Vögel sorgen, töten die Jäger mit Flinte und Falle so viele Beutegreifer wie irgend möglich – angeblich, um dadurch die Vögel vor ihren natürlichen Feinden zu schützen. 

Das Narrativ der Jagdverbände geht so: Während im Bremer Blockland der Bestand verschiedener Wiesenbrüter (Kiebitz, Bekassine, Uferschnepfe, Großer Brachvogel und Rotschenkel) von 2014 bis 2019 anwuchs, sei das in den beiden Vergleichsgebieten Niedervieland und Oberneuland mit weniger intensiver Fuchsjagd – trotz ähnlicher Maßnahmen im Wiesenvogelmanagement – nicht der Fall gewesen. Also müsse die Beutegreiferbejagung – allen voran das Töten von Füchsen – für den erfolgreichen Wiesenvogelschutz unerlässlich sein. 

Oder etwa nicht?  Bei genauerer Betrachtung der Daten (s.u.) fallen eine ganze Menge Ungereimtheiten auf, die so ganz und gar nicht zu den Schlussfolgerungen der Jagdverbände passen wollen: 

1.     Wie die Jägerschaft selber einräumt, weist das Bremer Blockland bessere Habitatbedingungen als die Vergleichsgebiete Niedervieland und Oberneuland auf und damit bessere Grundvoraussetzungen für den Schutz von Wiesenvögeln. Dass Schutzmaßnahmen im Blockland besser greifen – und zwar auch ohne Beutegreiferbejagung – ist daher selbstverständlich. 

2.   Betrachtet man die Zahlen im Vergleichsgebiet Niedervieland, so zeigt sich dort zwischen 2008 und 2018 ein Anstieg der Wiesenvogelpopulationen von jeweils fast 80 Prozent (von 102 auf 180 Individuen). Der Zuwachs liegt dort damit – trotz weit weniger intensiver Beutegreiferbejagung – ähnlich hoch wie im Bremer Blockland (von 285 auf 508 Individuen). Der Bestandszuwachs im Blockland dürfte damit also keinesfalls durch Jagd auf Fuchs und Co. zurückzuführen sein. 

3.   Auch die Betrachtung der Gelegeverluste gibt keine belastbaren Daten für einen besonderen Nutzen der Beutegreiferbejagung im Blockland her. Es fällt zunächst zwar auf, dass in den Jahren 2014 bis 2019 die Gelegeverluste im bejagten Bremer Blockland durchweg geringer waren als in Niedervieland. Da das Blockland günstigere Habitatbedingungen aufweist, ist das jedoch grundsätzlich zu erwarten, weil mehr geeignete, vergleichsweise sichere Brutplätze zur Verfügung stehen.
Im übrigen sind die Gelegeverluste in beiden Regionen zwischen 2017 und 2019 gegenüber den Jahren 2014 bis 2018 gestiegen. Im ersten Zeitraum lagen sie im Mittel bei etwa 33 Prozent im Blockland und bei 45 Prozent im Niedervieland, im zweiten Zeitraum bei 38 und 52 Prozent. Es ist also weder im Blockland noch im Niedervieland ein Rückgang der Gelegeverluste zu verzeichnen, sondern vielmehr eine Zunahme. Auch scheinen die Gelegeverluste in der festgestellten Größenordnung angesichts der kontinuierlichen Verbesserung der Bestandssituation in den Vergleichsgebieten kein signifikanter Faktor zu sein. 

4.     Die intensive Fuchsbejagung kann auch deshalb nicht zielführend sein, weil die Fuchsstrecken im Bremer Blockland keineswegs abnehmen. Ein bestandsbegrenzender Effekt durch die Jagd ist also nicht zu verzeichnen, weil das jeweils entstehende „Fuchsvakuum“ immer wieder durch einwandernde Füchse aufgefüllt wird.  


Die Rückschlüsse, die der LJV Bremen und der DJV aus dem Zahlenmaterial zu ziehen versuchen, geben die Daten also gar nicht her. Es handelt sich vielmehr um einen weiteren pseudowissenschaftlichen Versuch, Rechtfertigungen für die Fuchsjagd zu ersinnen. Der erfreuliche Anstieg der Wiesenvogelpopulationen dürfte – im Blockland wie im Niedervielland – vielmehr auf die vielfältigen Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung zurückzuführen sein. 

Das Programm im Bremer Blockland ist ein mit beträchtlichem Personalaufwand und nicht unerheblichen Finanzmitteln unterstütztes „Leuchtturmprojekt“ der Jägerschaft, mit dem Ziel, die Sinnhaftigkeit der Fuchsjagd zu belegen. Wenn selbst ein solch aufwändiges und vergleichsweise kleinflächiges Projekt – bei dem Füchse mit allen erdenklichen Mitteln getötet und Welpen schon am elterlichen Bau „weggeschossen“ werden – dieses Ziel nicht im Ansatz erreicht, spricht das eine deutliche Sprache.  


Gebiet

Blockland

Niedervieland

Oberneuland

2014

12%

24%

36%

2015

57%

65%

83%

2016

29%

47%

79%

2017

39%

52%

47%

2018

37%

44%

43%

2019

39%

59%

25% 

Gelegeverluste durch Prädation. Trotz intensivster Beutegreiferbejagung und konstanter bis steigender Fuchsstrecken im Blockland konnte keine Reduktion der Gelegeverluste erreicht werden.  


Jagdjahr

Fuchsstrecke

2014/15

42

2015/16

65

2016/17

50

2017/18

59

2018/19

60

2019/20

67 

Entwicklung der Fuchsstrecke im Bremer Blockland. Ein nachhaltig bestandsreduzierender Effekt ist offensichtlich nicht gegeben. 




 


Quellen:





Die Fuchsjagd ist auch im Bremer Blockland sinnlos 

und an Grausamkeit nicht zu überbieten!